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Unternehmensnachfolge: So übernehmen Sie einen Betrieb

Ein Unternehmen ist nur so gut wie seine Führung. Und ganz besonders in der ersten Zeit einer Übernahme stehen Unternehmensnachfolger häufig vor zahlreichen Herausforderungen.

(Lesedauer: 5 Minuten)

Die Unternehmensnachfolge stellt zahlreiche Familienunternehmen vor große Herausforderungen. Da in inhabergeführten Firmen Geschäftsführer und Eigentum in einer Hand liegen, sind gleichzeitig die Interessen des Unternehmens und der Familie zu berücksichtigen.

Um Konflikte so gut wie möglich zu vermeiden und die Weichen für den zukünftigen, nachhaltigen Erfolg sicherzustellen, ist eine sorgfältige Vorbereitung entscheidend. Dabei spielen ein klar strukturierter Nachfolgeplan und –prozess, die Auswahl des Nachfolgers nach objektiven Kriterien sowie die richtige Kommunikation mit allen relevanten Interessensgruppen eine wichtige Rolle.

 

Was bedeutet Unternehmensnachfolge?

Die Unternehmensnachfolge tritt ein, wenn Unternehmen samt Geschäftskonzept, Marke, Mitarbeitern, Inventar und Kundenstamm den Inhaber wechselt.

Ursachen können Krankheit, Tod oder Wechsel der Alt-Inhaber in den Ruhestand sein. Die Übernahme geschieht durch Unternehmenskauf, sofern die Firma nicht vererbt wird. Die Maßnahmen, die der Alt-Unternehmer zu treffen hat, heißen Nachfolgeregelungen.

 

Chancen und Risiken

Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens im Rahmen einer Unternehmensnachfolge bietet einige Vorteile im Vergleich zur klassischen Existenzgründung. Idealerweise übernehmen Sie ein etabliertes und gut funktionierendes Unternehmen und führen es weiter.

Gleichzeitig kann jedoch der Vorteil auch ins Gegenteil umschlagen, wie die nachfolgenden Punkte zeigen.

Vorteile:

  • Bei einer Übernahme überspringen Sie die Aufbauphase eines Unternehmens und arbeiten mit erprobten Geschäftsmodellen, erfolgreichen Strukturen und Prozessen
  • Mitarbeiter sind ein eingespieltes Team und genauso wie Lieferanten und Kunden schon vorhanden
  • Maschinen und Inventar sind ebenfalls Bestandteil des Unternehmens
  • In vielen Fällen steht der Senior-Geschäftsführer dem Nachfolger mit Rat und Tat zur Seite…
  • …Manchmal verläuft die Unternehmensübernahme aber auch schnell und ohne Hilfe des Alt-Geschäftsführers

Nachteile:

  • Für die Zeitersparnis einer Aufbauphase müssen Nachfolger ein höheres Startkapital für den Kauf eines Unternehmens einplanen
  • Strukturen und Prozesse können es dem Nachfolger erschweren, wenn diese festgefahren und starr sind
  • Wenn man wenig oder keine Führungserfahrung hat, kann das Führen eines Unternehmens ab Tag eins eine persönliche und fachliche Herausforderung werden
  • Auf kurz oder lang kann klarwerden, dass das Unternehmen nicht so zukunftsträchtig ist, wie zuvor angenommen wurde
  • Mitarbeiter, Lieferanten und der Kundenstamm kann einem Wechsel der Geschäftsführung kritisch gegenüberstehen und sich im Zuge der Unternehmensnachfolge abwenden
  • Maschinen und Inventar könnten veraltet sein und müssen neu gekauft werden
  • Die Unterstützung des Senior-Geschäftsführers kann Auseinandersetzungen hervorrufen

Was jetzt bedrohlich klingt, sind leider sehr reale Risiken.

 

Interne oder externe Unternehmensübernahme

Zunächst lassen sich die verschiedenen Nachfolge-Arten in zwei Gruppen unterscheiden: Interne und externe Übernahmen.

  • Als interne Unternehmensnachfolge bezeichnet man jene Übernahme, bei der ein Familienmitglied das Unternehmen übernimmt. Meist ist damit ein Generationswechsel
  • Von einer externen Unternehmensnachfolge ist die Rede, wenn jemand außerhalb der Familie ein Unternehmen kauft, pachtet oder geschenkt

Die Übernahme eines Familienunternehmens

Grundvoraussetzung für eine familieninterne Übernahme ist, dass sich die Beteiligten in mehreren Punkten einig sind:

  • Möchte/n die/der bisherige/n Eigentümer das Unternehmen zum Zeitpunkt X abgeben?
  • Kann sich die neue Generation die Übernahme des Unternehmens vorstellen?
  • Entspricht die nachfolgende Person den Erwartungen der Familie?

Als Interessent für die Übernahme des Familienunternehmens ist es wichtig, dass man sich bewusst ist, dass man nicht nur die Vorstellungen, Erwartungen und Wünsche des Senior-Geschäftsführers berücksichtigen muss, sondern dass weitere Familienmitglieder involviert sind – insbesondere dann, wenn mehrere Personen für die Nachfolge infrage kommen (z.B. Geschwister) und die Übergabe/Übernahme Auswirkungen auf das Familienvermögen hat.

Wenn Führungskräfte das Unternehmen übernehmen

Kommt kein Familienmitglied für die Nachfolge infrage, wird der bisherige Eigentümer außerhalb der Verwandtschaft nach einer geeigneten Person Ausschau halten müssen.

Unter Umständen gibt es jemanden im Führungsteam des Unternehmens, der sich vorstellen kann, Eigentümer zu werden. Tritt dieser Fall ein und kommt es zu einer Übernahme durch das bisherige Management, spricht man vom Management-Buy-Out – kurz: MBO.

Ein Unternehmen kaufen

Gibt es weder innerhalb der Familie noch im Führungsteam einen geeigneten Nachfolger bleibt nur noch eine externe Lösung, damit das Unternehmen bestehen kann. Diese Situation ist die Chance, ein Unternehmen zu kaufen und so den Weg in die Selbstständigkeit zu ebnen. Der Kauf eines Unternehmens ist zwar ein recht komplexes Vorhaben – wie jede Form der Nachfolge -, doch mit den passenden Kenntnissen und Sensibilität für diese Herausforderung wird dieser mit Bravour gemeistert.

 

7 Tipps, damit die Unternehmensnachfolge reibungslos läuft

1.    Investieren Sie Zeit in eine gute Planung

Eines ist als Unternehmensnachfolger besonders wichtig: Eine Übernahme bedarf Zeit.

Schon Monate vor einer Unternehmensnachfolge sollte mit der Planung begonnen werden. Hilfreich ist es, eine Checkliste anzufertigen, auf der wesentliche To-Dos vermerkt sind und diese nach Erledigung abgehakt werden können. So wird das Risiko gesenkt, wichtige Punkte zu vergessen, die den Erfolg der Übernahme beeinflussen könnten.

2.    Überlassen Sie nichts dem Zufall

Bei der Firmennachfolge wird ein bestehendes Unternehmen weitergeführt. Auf den ersten Blick erscheint eine Übernahme einfacher als eine Neugründung. Schließlich übernimmt man einen Betrieb, der sich schon am Markt etabliert hat, der über einen festen Kundenstamm verfügt und vieles mehr. Davon können Sie jedoch nur profitieren, wenn Sie über die Besonderheiten und Regelungen genau Bescheid wissen.

Deshalb ist es ratsam, sich von dem Vorgänger über folgende Punkte gründlich informieren zu lassen:

  • Mit welchen Lieferanten arbeitet das Unternehmen zusammen?
  • Gibt es Besonderheiten wie Vertragslaufzeiten?
  • Welche sind die wichtigsten Kunden?

3.    Hilfe von außen

Es ist realistisch, dass sie während des Prozesses der Unternehmensübernahme an Ihre Grenzen stoßen und externe Hilfe benötigen. Glücklicherweise gibt es zahlreiche Anlaufstellen und Beratungsangebote.

Bei der Beratungssuche spielt nicht nur die Qualifikation, sondern auch die persönliche Sympathie eine wichtige Rolle. Denn oftmals begleitet der Berater Sie durch den gesamten Prozess der Unternehmensnachfolge – demnach werden Sie viel Zeit miteinander verbringen.

Wählen Sie Ihren Berater also mit Bedacht.

4.    Transparente Kommunikation

Besonders in Familienunternehmen ist dieser Punkt von enormer Bedeutung. Unterschiedliche Erwartungshaltungen, Ängste und Zukunftsvorstellungen können zu Konflikten führen und einen erfolgreichen, internen Wechsel gefährden. Ein objektiver Dritter als Moderator ist hilfreich, um einen konstruktiven, fairen und ergebnisorientierten Dialog einzuleiten.

Transparente Kommunikation ist aber nicht nur in Familienunternehmen von Nöten. Sollten Mitarbeiter während der Nachfolge übernommen werden, spielt die Information der Beschäftigten über den anstehenden Wechsel eine wichtige Rolle. Auf diese Weise kann vermieden werden, dass Gerüchte sowie Spekulationen die Runde machen.

Das Gleiche gilt für Kunden und Lieferanten.

5.    Korrekte Erfassung aller Ressourcen

Die korrekte Erfassung aller materiellen und immateriellen Vermögensgegenstände ist notwendig, auch wenn es für den jetzigen Unternehmer eine emotionale Belastung darstellt, Managementfehler, Liquiditätsengpässe oder wirtschaftliche Verluste einzugestehen.

Im Rahmen einer Unternehmensbewertung wird eine Due Diligence erstellt, die möglichst alle relevanten Analysen, Informationen und Kennzahlen enthält.

Je nachdem, in welchem Stadium sich das zu übergebende Unternehmen befindet, wird der Nachfolger vor bestimmte Herausforderungen gestellt. Es können Innovationsfreude und Anpassungsfähigkeit gefragt oder grundlegende Veränderungen und Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit notwendig sein.

6.    Miteinbeziehen des Vorgängers

Es ist ratsam, Kunden, Beschäftigte und Lieferanten zusammen mit dem Vorgänger von der Nachfolge zu berichten. Je klarer und einheitlicher kommuniziert wird, desto besser können sich alle Beteiligten auf den Wechsel einstellen. Das gilt auch für den Fall, wenn Vorgänger und Nachfolger noch eine Zeit gemeinsam im Unternehmen tätig sind.

Folgende Fragen sollten – mit Abstimmung des Vorgängers, um Unklarheiten zu vermeiden – mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten geklärt werden:

  • Wer ist der Ansprechpartner?
  • Wer ist während der Übergangsphase weisungsbefugt? Wer wickelt das Geschäft ab?
  • Ab welchem Zeitpunkt tragen Sie als Nachfolger die alleinige Verantwortung?

7.    Überstürzen Sie nichts!

Trotz aller Vorbereitungen und Vorkehrungen: Nicht immer fällt es den Mitarbeitern eines Unternehmens oder den Stammkunden und Lieferanten, leicht, einen Inhaberwechsel zu akzeptieren. Seien Sie sich dessen bewusst und handeln Sie nicht überstürzt.

Sicherlich haben Sie viele gute und neue Ideen, die Sie gern umsetzen möchten, sobald Sie Ihre Nachfolge angetreten haben. Und bestimmt fallen Ihnen zahlreiche Möglichkeiten ein, wie Sie das Unternehmen umstrukturieren und neue Produkte etablieren können. Aber geben Sie allen zunächst Zeit, um sich an Sie als neuer Eigentümer zu gewöhnen.

Fazit

Oberste Erkenntnis bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Unternehmensübernahme: Eine Übernahme ist mindestens genauso anspruchsvoll wie eine Neugründung.

Wenn man die verschiedenen Möglichkeiten einer Nachfolge ansieht, ist eine familieninterne Nachfolge auch nicht unbedingt einfacher als ein MBO oder ein Kauf. Zwar wird es bei der Nachfolge innerhalb der Familie weniger ruppig bei der Verhandlung des Kaufpreises zugehen, allerdings besteht hier immer das Risiko, dass private und berufliche Rollen vermischt werden. Erfolgt die Übergabe des Unternehmens in einer Krise, steht nicht nur die ökonomische Grundlage, sondern auch der Familienfrieden auf dem Spiel.

Hier ist es ratsam, mit der Familie ein offenes Gespräch über Erwartungen und mögliche Szenarien zu führen.

Egal, um welche Form der Unternehmensnachfolge es sich handelt, ist empfohlen, bei auseinandergehenden Erwartungen das Gespräch zu suchen. Auch das Hinzuziehen eines unbeteiligten Dritten kann hier zielbringend sein. Das Zwischenmenschliche ist bei jeder Unternehmensnachfolge ein empfindlicher Aspekt. Wenn Sie offen und ehrlich auf die neue Herausforderung als Unternehmer zugehen, werden Sie die Unternehmensnachfolge erfolgreich meistern.

 

Janina Zaminer

 



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